Claudius in Lateinamerika

Un mono en Colombia

08 November 2006

Wenn wir schon bei schlechten Nachrichten sind...

Ein paar Tage nachdem ich erfuhr, dass ich meine Diplomvorpruefung nicht bestanden habe,
ereignete sich Folgendes: Ich wollte noch ein Foto von einem "SS-Mann" im Zentrum Limas
machen. Da jedoch der Ex-Praesident Perus, Valentin Panigua, am Vortag verstorben war,
wurde am diesem Tag ab 12 Uhr offiziell getrauert und alle Banken waren geschlossen. So
konnte ich keinen SS-Sicherheitsmenschen mehr antreffen. Nunja ich ging noch zum Frisoer und habe mir dann die Avenida Grau angeschaut, denn sie war einige Wochen zuvor modernisiert worden. Dann wollte ich zur Quita Heeren gehen. Da ging es durch weniger schoene Strassen Limas, obwohl man sich nur ein paar hundert Meter vom Hauptplatz der Stadt entfernt befand. Ich war aber sicherlich schon in gefaehrlicheren Gegenden in anderen Staedten.

Natuerlich gehe ich nie irgendeine Gefahr ein, wenn ich meinem Rucksack und vor allem meinen Reisepass und meine Scheckkarte mit mir fuehre. Aber wenn alles in meiner Unterkunft
deponiert ist, gehe ich meist nur mit ein paar Euro(umgerechnet) durch die Strassen und habe
sonst nix dabei. Dann gehe ich oft auch mal ein Risiko ein. Mir kann ja nix passieren. Was soll
man mir stehlen? Dann bin ich manchmal auch spaet abends in nicht immer den besten Gegenden. Ich bin mal nachts ein paar Kilometer durch die westlichen Vororte Medellins gelaufen, weil ich kein Geld mehr fuer ein Taxi hatte. Sonst haette ich das nicht gemacht. Auch noch viele andere Geschichten koennte ich aufzaehlen.

Zurueck nach Lima. Dort lief ich um 5 Uhr nachmittags weiter und es war kein Gedraengel auf
der Strasse. Aber durch die zentrumsnahe Lage gab es doch recht viele Laeden die geoeffnet
hatten und es waren nicht wenige Leute auf der Strasse. In einem Laeden in dem ich mich
nach dem Weg zur "Quita Heeren" erkundigte(sie war nur noch 200-300 Meter entfernt), wurde ich auf die Gefahr von Dieben aufmerksmam gemacht. Aber so nah am Ziel. Was soll mir denn passieren? Ich habe doch nicht den Reisepass und kein Scheckkarte dabei... Inzwischen war ich der Ueberzeugung, dass ich nie ueberfallen werden wuerde. Solche Gedanken hatte ich auch bei "Ich breche mir nie einen Arm oder Bein". Das einzige was ich noch zufaelligerweise dabei hatte, war die Kamera, mit der eigentlich eine Sicherheitskraft fotografiert werden sollte. Die Kamera funktionierte jedoch nicht mehr besonders gut. Wenn ich sie anschalten wollte kam manchmal das Objektiv nicht mehr raus. Das Ausschalten war noch schlimmer, da sich das Objektiv nicht wieder einfahren liess. Die Kamera schaltete sich zwar aus, aber das Objektiv war weiterhin draussen. So konnte ich die Kamera aber nicht transportieren, denn dann haette das Objektiv weiteren Schaden genommen. Also musste die Kamera so oft ein und ausgeschaltet werden und im richtigen Augenblick mit dem Fingen nachgeholfen werden bis die Kamera sich ausschaltete und gleichzeitig auch das Objektiv eingefahren war. Die Kamera hatte fuer mich an Wert verloren, auch wenn dort der von mir gekaufte 1-GB Memomy-Stick dabei war. Ich ging einen Strassenblock weiter und sprach gerade jemanden an um zu fragen, ob die "Quita Heeren" geradeaus oder rechts sei. In diesem Augenblick kam eine Person von hinten, umschloss mit ihrem Arm meinen Hals(Sie nahm mich in einen Schwitzkasten) und griff in meine hintere Hosentasche. Ich hielt meine Hand daraufhin an diese Hosentasche. Dieses verzoegerte um eine Sekunde die Entnahme der Kamera aus meiner Hosentasche. Nach drei bis vier Sekunden endete unsere konversationslose Begegenung damit, dass die zwei Jugendlichen in die Richtung rannten aus der ich urspruenglich kam. Ich rannte diesen beiden hinterher, es war ja tagsueber und ralativ viele Leute auf der Strasse, bruellte "¡¡¡CHORRROS!!!"(peruanisch fuer Dieb) -Aber ich konnte sie aber nicht mehr einholen bevor sie in einer Seitengasse verschwanden.

Wer haette das gedacht, dass ich jemals ueberfallen werde. Was mich aber noch viel mehr erstaunt ist die Art und Weise. Diese Dreistigkeit am hellichten Tage und mit ralativ vielen Leuten auf der Strasse, aber nicht in einem Gedraengel, was ich widerum fuer wahrscheinlicher gehalten haette. Was mich wirklich schockierte ist diese Tatenlosigkeit der Mitmenschen. Die Diebe haette man aufhalten koennen. Daraufhin kam die Polizei. Ich fuhr mit ihnen ein paar Runden um den Block. Dann habe ich eine Anzeige gestellt und hielt mich dafuer ein paar Stunden auf der Wache auf. Schliesslich ging es zurueck zu meiner Unterkunft. Dann traf ich noch ein paar Freunde, die die Gegend kennen wo ich ueberfallen wurde. Sie sagten sie koennten die Kamera wiederbeschaffen. Am naechsten Tag teilten sie mir mit, das es ihnen nicht gelungen sei. Insgesamt war es wohl das zweitschlimmste Eriegnis dieses Jahr.

In Anbetracht der geringen Resonanz auf den Beitrag "flickr" (http://claudiusamerika.blogspot.com/2006/10/flickr.html) ist dieser
Verlust wenig schmerzlich, denn es hat sich bis heute keine Loesung abzeichnen koennen. Also
haette es sowieso keinen Ort zum veroeffentlichen der Fotos gegeben.
In El Alto, der extrem verarmten Vorstadt von La Paz, habe ich mir ein Automatik-Kamera
gekauft, mit der ich bisher kaum ein Foto gemacht habe. Ich habe sie jedoch erworben um die
deutschen Kolonien in Paraguay und Brasilien zu fotografieren.

Und jetzt hoffentlich kein Hals- und Beinbruch. Denn inzwischen glaube ich, dass mir sowas theoretisch passieren kann...

2 Comments:

  • At 08 November, 2006 18:08, Blogger Claudius in Latainamerika said…

    Ich habe den Text zur Sicherheit im Editor geschrieben um zwischenzuspeichern. Nun habe ich den Zeilenumbruch korrigiert doch leider laesst sich die Formation nicht veraendern. Wenn ihr das schafft, koennt ihr das machen.

     
  • At 13 November, 2006 04:45, Blogger Julian said…

    ich weiss nicht genau was Du meinst...

    ..aber ich wusste, dass ich die Kamera nie wieder sehen würde!

    Trotzdem finde ich es doof, dass es jetzt keine Bilder mehr auf flickr gibt weil Du wie du sicher an den Zugriffen gesehen hast waren die Bilder sehr beliebt...

    ...hat dir die SS nicht helfen können die Kamera zu holen? Ich mein so als Volksgenosse und so?

     

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