Von Villamontes ging es mit einem Bus ueber Ibibobo(wo ich den Ausreisestempel von Bolivien erhielt) nach Paraguay. Ibibobo war der letzte Militarstuetzpunkt der Bolivianer und danach fuhr man 300 Kilometer durch das Nirgendwo durch den tiefsten Chaco. Wo bis vor wenigen Jahren an eine Busfahrt nicht zu denken war. Doch auf der paraguayischen Seite wird derzeit bereits asphaltiert. Ab der "Siedlung" La Patria beginnt(bzw. endet) der Asphalt und von dort kommt man dann auch schnell in das 100 Kilometer entfernte Mariscal Estigarribia, der ersten Ortschaft in Paraguay, wo uns die Taschen, Rucksaecke etc. wegen einer Drogenkontrolle
sehr gruendlich kontrolliert wurden. Aus Versehen hatte ich mein Tuetchen Koka-Blaetter noch dabei. Nur ich dachte als ich den Bus verliess, dass dort die "Migracion" sei. Als wir aber unsere Taschen alle in einer Reihe aufstellen mussten und ein Drogenspuerhund diese Taschen(auch meinen Rucksack) beschnueffelte, wurde mir mulmig. Andere Fahrgaeste versuchte ich dezent ueber die Legalitaet von Koka-Blaettern in Paraguay zu befragen. Die Schnueffelaktion dauerte vielleicht "lange" 10 Minuten. Dann wurden wir persoenlich durchsucht und unsere Taschen. Ich sagte der Anti-Drogenpolizei, bevor ich meine Tasche begann auszuraeumen, dass ich in Bolivien ein paar Koka-Blaetter fuer einen Koka-Tee gegen die Hoehenkrankheit(Sorroche) erworben hatte. Daraufhin antwortete der Beamte mir, dass dies kein Problem sei und ich war erleichtert.
Eine halbe Stunde spaeter fuhren wir zum Zoll(einen Kilometer weiter) dort verbrachten wir "nur" 10 Minuten, dann ging es schliesslich zur Migration(nebenan). Nachdem wir uns schon etwa eine Stunde in Mariscal Estigarribia aufhielten, dachte ich wir wuerden jetzt endlich weiter Richtung Filadelfia fahren. Doch stattdessen fuhren wir wieder zur Drogenpolizei, und warteten und warteten. Aber warum warteten wir? Eine sehr gut Frage. Ich wollte den Bus verlassen und die Drogenpolizei wies mich zurueck. Die Drogenpolizei und die Fahrer des Buses fingen an Billard zu spielen oder SMS zu schreiben. Langsam fing ich an, mich mit ein paar Bolivianern ueber diese Zustaende(niemand beantwortete die Frage warum wir warteten) in Paraguay lustig zumachen, bis mir endlich jemand erklaerte das doch zwei Fahrgaeste fehlten und diese haben vermutlich ein Abfuehrmittel verabreicht bekommen und alle warten darauf das sie auf Toilette muessen. Ueber diese Grenze wird anscheint viel Heroin und Kokain ueber den Magen geschmuggelt. Nach einer weiteren Stunde ging es schliesslich weiter.
Der Bus der von Santa Cruz de la Sierra nach Asuncion fuhr, liess mich an der Kreuzung nach Filadelfia raus. Von dort fand ich jemanden der mich auf seinem Moped nach Filadelfia mitnahm. Filadelfia ist die Hauptstadt der Mennoniten-Kolonie Fernheim.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fernheimhttp://www.michaelseeger.de/py/economi.htmNormalerweise sind in Lateinamerika alle Staedte sehr zentralisiert. Das heisst das Zentrum ist sehr kompakt. Filadelfia ist das genaue Gegenteil davon. Die Blocks sind etwa 5mal so lang wie normalerweise(statt 100 Meter 500 Meter) und mitten im "Zentrum" befindet sich eine Fabrik und Wasserreservoire.
Hotel Filadelfia
Breitengrad: 22°21'47.20"S
Laengengrad: 60° 2'2.27"W
Mal sehen ob ihr es bei Google Earth so findet.
Hauptstrasse Hindenburg
Genossenschaften in Paraguay
Ausserdem gibt es viele Moskitos und es ist sehr heiss. Entfernung
Interessant ist auch das "politische System" in den Mennoiten-Kolonien: Es gibt Buerger, sie sind die Kolonisten die den Oberschulzen waehlen duerfen. Die Latinos(Paraguayer) und Indianer haben keine Mitgestaltungsmoeglichkeit. Jedoch soll nun Fernheim in das politische System Paraguays integriert werden. Es haben im November 2006 Kommunalwahlen stattgefunden nach denen Filadelfia erstmals einen Buergermeister bekoemmen wird, der von der gesamten Bevoelkerung gewaehlt worden ist. Was fuer eine Sprache wird dort hauptsaechlich gesprochen? Die Frage ist schwer zu beantworten. Die Rangfolge ist etwa so: 1.Spanisch(80 %), 2.Plattdeutsch(50 %), 3.Hochdeutsch(40 %), 4.Lengua(30 %), 5.Portugiesisch (20 %), 6.Guraní(10 %)
Es gibt wohl kaum einen Ort wo man innerhalb kuerzester Zeit problemlos 6 verschiedene Sprachen hoeren kann. Anfangs hatte ich Hemmungen die Leute auf Deutsch anzusprechen, aber nachdem man die Leute in den Geschaeften staendig hoert "Noch was?", wenn jemand etwas kauft, zerstreuten sich diese Hemmungen. Das Problem sind die Hunsrueck-Brasilianer die sich zuerst in Suedbrasilien angesiedelt hatten und spaeter in den Chaco kamen. Sie sehen zwar sehr deutsch aus(und sind vor allem eindeutiger deutscher Abstammung) sprechen aber kein deutsch mehr sondern nur portugiesisch. Waehrend die Mennoiten eigentlich alle Russlanddeutsche sind, das Russische aber verlernt haben, und die deutsche Sprache bewahren.
Ich habe noch keinen Ort in Lateinamerika kennengelernt wo soviel deutsch gesprochen wird.
Auf den Friedhoefen und an anderen Plaetzen ist mir folgender Psalm aufgefallen: "Bis hierher hat uns der HERR geholfen". Dieser ist genau so in deutscher Sprache dort aufgeschrieben. Ich finde diesen Satz sehr passend zum Chaco.
http://www.neuland.com.py/german/german.htmSchliesslich fuhr ich auch noch nach Neu-Halbstadt in Neuland. Transportmoeglichkeiten zu der 30 Kilometer entfernten Kolonie gibt es fast nicht. So habe ich getrampt. Auf dem Rueckweg nach Filadelfia fand ich sogar eine Mitfahrgelegenheit bis nach Asunción.
Ich habe es Professor Meding zu verdanken, dass ich mir in Asuncion der historischen Bedeutung dieser Stadt bewusst war. Heute ist Asuncion selbst in Suedamerika nicht gerade bedeutend, aber die gesamte Besiedlung des suedlichen Suedamerikas fand von Asuncion statt.
Das bekannteste was man von Paraguay in Deutschland kennt, ist wahrscheinlich der Fussballspieler Roque Santa Cruz. So spielte ich auch einer Paraguyer in Asuncion das Lied "Ich, Roque" vor.
Benzinpreise in Euro/Liter:
Venezuela 0,03
Ecuador 0,214
Bolivien 0,32
Argentinien 0,37
Kolumbien 0,39
Paraguay 0,67
Peru 0,74
Uruguay 0,80
Brasilien 0,85
Danke fuer das fotografieren der Karten.